Eröffnungsdialog
Diesen Blog möchte ich für Heinz von Foerster eröffnen. Heinz inspiriert und verführt uns durch sein geisitges Erbe immer wieder tolle Gespräche zu führen. An irgendeiner Stelle sagte Heinz einmal sinnesgemäß:
“Bücher zu schreiben liegt mir nicht ….”.
An einer weiteren Stelle ist von ihm zu hören
” ….ich bin ein Gesprächstier ….”.
Ich glaube, Heinz war ein Mensch, der gerne Dialoge mit Menschen führte. Und in diesem Sinne möchte ich heute die Eröffnung dieses Blogs feiern, indem ich ihn im Sinne HvF mit einem Er-öffnungs-dialog beginnen möchte. Und zwar mit einem Dialog zwischen Michael und mir. Die Idee dieses Blogs stammt zwar ursprünglich von mir, ohne den Dialog mit Michael, wäre er aber nicht in dieser Gestaltungsform manifestiert.
Andreas (13.10.2006):
Michael, wir kennen uns nicht persönlich von Gesicht zu Gesicht. Irgendwo sind wir uns in den Weiten des Internets “über den Weg” gelaufen. Wo war das noch gleich und wer hat wen aus welchem Anlass angesprochen ? Nach meinen Erinnerungen hatte es bereits mit Heinz oder der Kybernetik zu tun?
Michael (13.10.2006):
Andreas, der erste Kontakt kam ja über OpenBC zustande.
Ich hatte mich gerade im Forum der “Deutschen Gesellschaft für Kybernetik” angemeldet, und die bis dato (nicht sehr umfangreichen) Beiträge durchstöbert. Dabei stieß ich auf einige Beiträge von dir. Das war schon interessant. Hab mir dann dein Profil angeschaut, und da du Premium Mitglied bist, hast du das registriert. Darauf bekam ich von dir eine interne Nachricht mit der Betreffzeile “Besuch bei mir”. Ah dachte ich, das erste Mal das sich jemand nach einem Profilbesuch meldet. Und dann gings hin und her. Besonders angetan war ich von deiner lebhaften Beschreibung über die Umstellung auf dein neues Handy. Das produzierte sofort Bilder in meinem Gehirn. Von Angesicht zu Angesicht haben wir uns zwar noch nicht kennen gelernt, aber ja schon zumindest zwei mal telefoniert. Was mich besonders fasziniert ist deine offene Art, das kann ich jetzt schon sagen!
Im ersten Teil von “KybernEthik” wird ja berichtet, wie Paul Schröder den Dialog mit Heinz von Foerster per Tonband führt. Eine spannenden Sache. Abschließend im ersten Dialog sagt Paul: “Ich würde mich bereit erklären, die Cassetten zu transkribieren. Letztendlich ist die bedruckte Seite das flexibelste Medium. Irgendwie habe ich immer noch Schwierigkeiten, aufs Tonband zu sprechen. selbst wenn es an dich gerichtet ist. Aber ich glaube dass sich das im Laufe der Zeit von selbst erledigt.”
Tja, damals gab es noch kein Web und die ganzen Möglichkeiten die wir heute haben.
Diese Kommunikationsmittel haben wir Wissenschaftlern wie Heinz zu verdanken.
Wenn man bedenkt, das ca. 70% der menschlichen Kommunikation visueller Art sind, ist die vollkommene Form natürlich von Angesicht zu Angesicht. Bei NLP achtet man z.B. auf die Augenstellung des Gegenübers. Einen Teil versucht man heute über Video-Chat und ähnliches zu kompensieren. Aber auch hiermit erreicht man nicht das volle Spektrum.
Also ich denk mal, wir werden uns auch noch auf dieser Ebene begegnen
.
Andreas (16.10.2006):
Ich errinere mich. Ich hatte gerade mein neues Handy, ein Motorola Razr V3, mit dem ich nicht so klar kam. Im ersten Moment habe ich mich dem Handy in der Handhabung angepasst und dann hatte ich das Handy auf mich angepasst. Angelehnt an HvF habe ich das anhand der Kybernetik und den Begrifflchkeiten von HvF in Bezug auf triviale Maschine (Handy) und nicht triviale Maschine (Ich) verglichen. Im ersten Moment habe ich mich an das Handy angepasst (die nicht-triviale Maschine passt sich der trivialen an) und danach habe ich das Handy an mich angepasst (nicht-triviale Maschine verändert triviale Maschine). Somit zeigt mein Razr V3, wenn man es aufklappt, das Gesicht von HvF, anstatt dem Motorola-Branding und wenn es klingelt ertönt ein Ausschnitt von HvF aus 2×2 = Grün, mit ” … ich ich bin ein Gesprächstier ….”. Die Leute merken sofort, das dieser Text kein käuflicher Klingelton von Jamba ist. Soweit unser erstes Kennenlernen. In irgendeiner Deiner Mails hast Du geschireben: “Du hattest schon Angst einem ungesunden Personenkult zu fröhnen.” HvF ist und bleibt einfach faszinierend! Seit dem ich begann mich intensiver mit der Kybernetik auseinanderzusetzen, ist er mir in der Literatur immer wieder “über den Weg” gelaufen. Wie bist Du zu Heinz von Foerster gekommen?
Micha (16.10.2006):
Ja das mit dem Personenkult ist so eine Sache für sich. Es geht schon soweit, das manche Freunde mich Heinz nennen
. Naja, ganz so schlimm ist es aber dann doch nicht. Sein Bild ziert aber zumindest meinen Desktop, und ich habe an meinem Schreibtisch auch ein Bild von Ihm hängen. Manchmal schau’ ich da drauf und begebe mich in einen inneren Dialog mit ihm. Heinz von Foerster wurde öfters von Frederic Vester zitiert, 1991 meine erste Leitfigur zum Thema Kybernetik. Dann später, vor ca. 2 Jahren bin ich durch Recherchen im Internet wieder auf Ihn gestoßen. Besonders angetan war ich von dem gereiften HvF. Ich habe sehr großen Respekt vor dem Alter. Mich hat fasziniert was dieser Mann an seinem Lebensabend als Essenz angesehen hat. Es war die zwischenmenschliche Kommunikation. Wir sollten das im Sinn behalten. Ein soziales System ohne Kommunikation ist nicht überlebensfähig. Hierbei darf es aber nicht nur um selbst Beweihräucherung gehen. Es sollte für beide Seiten “gewinnbringend” sein. Schlimm wenn man sich manche Dialoge in Blogs dazu anschaut. Da wird sich dann aufgebläht, nur um den anderen zu zeigen was man so auf der Pfanne hat. Ich bin auf der Suche nach konkreten Dingen, nach Ergebnissen die einen weiter bringen. Dafür haben wir beide uns ja auch bei OpenBC kennengelernt, und nicht sonst wo. Ausgeschrieben und übersetzt bedeutet OpenBC ja “offener Geschäfts Verein”. Hierbei lege ich immer großen Wert auf die so-genannte “Win-Win Situation”. Und da wären wir, denke ich, schon bei der Ethik.
Andreas (20.10.2006):
Oh ja, die Ethik. Da finde ich “das Modell” von Heinz ja so toll. Er sagte irgendwo das “Moralisieren die Ethik schon in Ihrem Wurzeln erstickt”, zumindest ist das meine subjektive Interpretation seiner Worte. Ich fand die Idee von einer impliziten Ethik sehr gut und wenn ich Ihn richtig verstanden habe, dann meint er damit “einfach seinen Nächsten zu helfen, indem man handelt”, ohne erst darüber nachzudenken, ob er jetzt grün, weiss, alt, jung oder schwarz ist. Das ist natürlich eine große Herausforderung im alltäglichen Leben, weil man ja Werte und Ziele hat. So identifiziere ich mich beispielsweise nicht mit rechtsradikalen Werten. Und da muss ich mich dann fragen, was mache ich wenn ich einen Menschen am Straßenrand sehe, der “wie ein Nazi” aussieht? Denke ich zuerst und handle dann, oder sehe ich einen Menschen und helfe. Eine Herausforderung.
Micha (21.10.2006):
Das schlimme ist ja leider, das man einen Rechtsradikalen nicht an seiner äußeren Erscheinung erkennen kann. Es gibt sogar heute noch einige! Rechtsradikale in Polizei-Uniform. In der Tat sind die meisten Richter nach dem Fall des dritten Reiches in Ihrem Amt geblieben. Wenn man sich überlegt, was damals in der “Massen-Psychose” des dritten Reiches an Samen ausgebracht wurde, ist doch “Relativ wenig” nach dem Zusammenbruch dieses Wahnsinns aufgegangen. Das muss mann auch mal sehen. Genauso wie das Experiment “DDR” ja auch nicht ohne Folgen bleibt. Ich finde es erstaunlich, wie schnell sich die Werte in einer Gesellschaft ändern. Siehe Homosexualität. Unsere Hauptstadt wird von einem Homosexuellen regiert. Vor 40 Jahren wäre das Utopie gewesen. Zumindest dass man das Öffentlich propagiert. Beständig ist der Wandel, und auch die “Ethik” ist im Wandel. Interessant fand ich diese Woche die Meldung: HP ernennt neuen Ethik-Chef
Andreas (25.10.2006):
Interessante Themen! Wie wir sehen, bietet so ein Dialog im HvF-Kontext sehr viel Stoff. Ich möchte all die Themen gerne hier später in Einzelartikel zum Thema vertiefen, die Themen Kybernetik und Kybernetik 2. Ordnung, triviale und nichttriviale Maschinen, Ethik, Autopoietische Systeme, Systemtheorie, Laws of Form, Kybernetik usw. usf. – und – um es in Heinz’ Worten zu sagen: ecetera ecetera ….. Auch Interviews mit Menschen die Heinz’ mochten und kannten könnte ich mir hier vorstellen. Ich habe da schon so eine Idee ….. Was sind Deine Ziele bzgl. unseres KybernEthik-Blogs?
Micha (26.10.2006):
Ja, interessant finde ich bei dieser Kommunikationsform in diesem Kontext die jeweilige Auswahl aus den vielen Anschlussmöglichkeiten. Zu den Interviews fällt mir spontan Video ein.
Ziele:
Aristoteles sprach ja von “causa finalis” (Teleologie). Also wenn ich dazu das wichtige Prinzip (u.a.) von HvF formuliert (Sinngemäß): “Erhöhe stets deine Optionen” heranziehe, weiss ich noch nicht genau was sich für uns mit diesem Blog alles auftut. Ich lass mich überraschen! Ein zentrales Ziel ist für mich natürlich, die Bedeutung der Arbeiten von Heinz für unsere “Umwelt” zu veranschaulichen und vielleicht ein (weiteres) Netzwerk von interessierten und gleichgesinnten aufzubauen? Was ich mit Gewissheit jetzt schon weiss ist, dass ein Leben einfach viel zu kurz ist!
Übrigens möchte ich hier noch meinen Respekt zum Ausdruck bringen, für deine Arbeit auf www.globalisierungseffekte.de.

heisst das Buch, nachdem dieser Blog genannt wurde. In diesem Buch von HvF geht es u.a. um Ethik, implizite Ethik und das das Moralisieren die Ethik schon in ihren Wurzeln erstickt.